Das Projekt „Flusslandschaften“ hinterfragt die kapitalistische Sprache zur Beschreibung von Flüssen, indem es ein neues, dekolonialisiertes Glossar erstellt, das sie als mehr als menschliche Wasserlandschaften begreift. Das Projekt initiiert eine Reihe lokal verankerter und hybrider Dialoge zwischen dem Kernteam und eingeladenen Flussexpertinnen und -experten aus Wissenschaft, Kunst und indigenen Kontexten aus Europa und Südasien, begleitet von einem öffentlichen Programm.
Von Frühling bis Herbst 2025 findet eine Workshop-Reihe statt, bei der Künstler*innen sowie Wissenschaftler*innen lokale Teilnehmende auf eine Reise begleiten, um Schweizer Flüsse als ökologische und kulturelle Landschaften zu erkunden. Durch Klang, Bewegung, Ausdruck und Geschichtenerzählen betrachten die Teilnehmenden Flüsse und ihre Geschichten aus neuen Perspektiven. Anschliessend erstellen sie gemeinsam Glossareinträge, die auf Feldforschung und kollektiver Reflexion basieren und künstlerisches, wissenschaftliches und lokales Wissen miteinander verknüpfen. Das Glossar – veröffentlicht als Open-Source-Format – umfasst Sprache, Bilder, Klänge und Geschichten, die Flüsse nicht als kontrollierbare Ressourcen, sondern als lebendige, übermenschliche Ökosysteme neu interpretieren. Das Projekt gipfelt 2026 in einer öffentlichen Präsentationsreihe auf einem Boot entlang der Limmat.

Flüsse sind seit Jahrhunderten von zentraler Bedeutung für unser menschliches Verständnis von Landschaften, Arbeit, Mythen und Kunst. In der heutigen Welt werden sie jedoch oft nur als Ressourcen betrachtet, die ausgebeutet und konstruiert werden können. Unser transdisziplinäres Projekt „Flusslandschaften: Ein neues Glossar“ erkennt an, dass die Sprache, die wir zur Beschreibung von Flüssen verwenden, diese ausbeuterische Beziehung definiert und von kolonialen und kapitalistischen Agenden geprägt ist. Im Dialog mit Flussexperten aus Wissenschaft, Kunst und indigenen Kontexten erstellen wir ein neues Glossar, das darauf abzielt, unsere Wahrnehmung und Interaktion mit Flüssen zu verändern und sie als Landschaften vieler Arten und Kulturen anzuerkennen.
Als innovatives, in der Kunst verwurzeltes Werkzeug stellt sich dieses Glossar neue Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen vor und manifestiert sich in einer Reihe interaktiver Ausstellungen, einer Online-Open-Source-Website, einer Publikation und lokal eingebetteten Bildungsprogrammen. Die Schweiz ist für dieses Projekt von zentraler Bedeutung als Zentrum innovativer Forschung und als Brennpunkt, von dem aus das Glossar als global anwendbarer Prototyp entwickelt werden kann. In drei Kapiteln untersucht das Glossar die Beziehungen zwischen Flusslandschaften in der Schweiz, Südasien, Südamerika und Nordeuropa.
Unser Projekt hofft, die Grenzen zwischen der empirischen Gewissheit der Wissenschaft, dem indigenen Wissen aus mündlichen Überlieferungen sowie der künstlerischen Forschung und Praxis aufzuweichen, indem wir neue Brücken zwischen diesen Disziplinen schlagen. Da unser Projekt den Sprachgebrauch untersucht, ist es kein ortsspezifisches Projekt, doch unser Glossar wird auf der Forschung zu bestimmten Flüssen und Landschaften basieren. Unsere Forschung wird von drei Hauptstandorten und ihren entsprechenden Nebenstandorten und Ökosystemen geprägt sein, wobei wir weitere regionale Beispiele aus Europa und Südasien einbeziehen, je nachdem, wo unsere Arbeitssitzungen stattfinden.
– WE ARE AIA I Awareness in Art, Zürich, Martina Huber, Gründerin und Kuratorin und Mira Hirtz, Kuratorin und Künstlerin
-Toxic Links, gemeinnützige Organisation, Neu-Delhi, Ravi Agarwal, Gründer
-Lehrstuhl für Anthropozän, Universität Zürich, Schweiz, Prof. Dr. Debjani Bhattacharyya
-Das Bürgerarchiv von Pakistan, Noor Ahmed
-ILEA – Das Institut für Land- und Umweltkunst, Johannes Hedinger
-Science Gallery, Bengaluru (SGB), Indien, Jahnavi Phalkey, Direktorin der Science Gallery, Bengaluru
Prameya Art Foundation, Indien, Anushka Rajendran, Kuratorin
River Tones: Ein interaktiver Sound Walk in Zusammenarbeit mit guerilla classics
ein Klangspaziergang entlang des Wehrenbachs mit den Musikern Andres Bosshard, Melody Chua und Constanza Pellicci
Samstag, 30. August, 2025 / 11:00 – 13:00
Treffpunkt: Haltestelle “Burgwies”, 8032 Zürich
Mit Flüssen Zeichnen - Drawing with Rivers
Zeichnen als Methode des Beobachtens, Erzählens und Imaginierens entlang der Limmat mit der Künstlerin Monica Ursina Jäger und der Architektin Dr. Johanna Just
Samstag, 27. September, 2025 / 14:00 – 17:00
Kloster Fahr
Bewegung und spekulatives Schreiben an der Limmat mit der Künstlerin Lea Moro und WE ARE AIA-Gründerin Martina Huber
Sonntag, 19. Oktober 2025 / 14:00 – 17:00
Kloster Fahr
Arbeitstreffen mit lokalen und internationalen Veranstaltungen:
– Digitale Vorträge mit führenden Experten
– Öffentliche Konferenzen und Aktivierung mit partizipativen Programmen
– Öffentliche Programme und Forschung, sowohl digital als auch analog
Zurich Art Weekend, Auftakt Flusslandschaften, Juni 2024
Biennale Art Safiental, Schweiz, Oktober 2024
Konferenz in der Science Gallery Bengaluru, Bangalore, Indien, Februar 2025
Studentische Forschungseinheit „Lehrstuhl für Anthropozän“ an der UZH, Schweiz, April 2025
